Die probabilistische Testtheorie
Bei der probabilistischen Testtheorie basiert der Grundgedanke auf der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Antwort auf jedes einzelne Item von der Ausprägung einer latent vorhandenen Merkmalsdimension abhängt. Beispiel: Eine Person mit besserer mathematischer Denkfähigkeit löst eine mathematische Aufgabe mit höherer Wahrscheinlichkeit als eine Person mit schlechterer mathematischer Denkfähigkeit. Derartige Aussagen entstammen dem Grundgedanken der probabilistischen Testtheorie, die keinen deterministischen und nur durch Fehler verschleierten Zusammenhang zwischen Variablen annimmt (wie dies die Klassische testtheorie tut), sondern eine Wahrscheinlichkeitsbeziehung. Noch immer bilden jedoch die nach der klassischen Testtheorie entwickelten Testverfahren ein Gros der psychometrischen Inventare.
Ein probabilistisches Testmodell ermittelt diejenigen Merkmalsausprägungen, die für verschiedene Arten der Itembeantwortungen am wahrscheinlichsten sind. Die Itembeantwortungen (dies sind die beobachteten Variablen) gelten als Indikatoren für grundlegende Verhaltensdispositionen, den so genannten latenten Variablen. Der Zusammenhang zwischen diesen und den beobachtbaren Variablen, d.h. den Verhaltensäußerungen ist wahrscheinlichkeitsgesteuert, d.h. probabilistisch. Es werden zwei Arten latenter Variablen voneinander unterschieden:
- Verhaltensdispositionen
z.B.: Fähigkeiten, Einstellungen, Persönlichkeitsmerkmale
- Itemmerkmale
z.B.: Schwierigkeit, Trennschärfe, Anreizmerkmale
Diese beiden Variablen werden innerhalb der probabilistischen Testtheorie durch komplexe statistische Verfahren annäherungsweise bestimmt. Eines der bekannteren Verfahren ist das Rasch-Modell. Dieses Modell verwendet die Schwierigkeit als einzigen Parameter, der den Zusammenhang zwischen der Antwort im Test und der latenten Variable (z.B. der Fähigkeit, die im Test überprüft wird) herstellt.
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